Frauenhäuser bieten Schutz – auch in Zeiten der Corona-Pandemie

Pressemitteilung - geschrieben am Dienstag, 24. November 2020 - 09:44

Stuttgart/Tuttlingen 24.11.2020   Laut aktueller Polizeilicher Kriminalstatistik waren im vergangenen Jahr in Baden-Württemberg 10.518 Frauen von Gewalt betroffen. Der PARITÄTISCHE Baden-Württemberg fordert zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen (25.11.) in der kommunalen Pandemieplanung den coronabedingten zusätzlichen Personalbedarf und kostenfreie Coronatests in Frauenhäusern zu berücksichtigen.

„Die Corona-Pandemie hat die Situation von Gewalt betroffenen Frauen verschärft. Die Suche nach einem Schutzplatz und die Fluchtplanung sind erheblich erschwert, da die Partner seltener das Haus verlassen. Auch die Sorge, sich in einer Einrichtung mit vielen Menschen mit dem Corona-Virus zu infizieren, hält Frauen davon ab, sich Schutz und Hilfe zu holen“, betont Ursel Wolfgramm, Vorstandsvorsitzende des PARITÄTISCHEN Baden-Württemberg. Nur so ließe sich auch erklären, warum aktuell häusliche Gewalt zunehme, die Nachfrage nach Schutz in einem Frauenhaus aber zurückgehe. „Die Frauenhäuser sind Dank der finanziellen Corona-Soforthilfen des Landes gut gegen die Pandemie gerüstet“, so Wolfgramm. Die räumliche Dichte des Zusammenlebens in den Unterkünften sei durch Anmietung externer Quartiere aufgelockert und umfangreiche Hygienemaßnahmen in Form von Mundschutzmasken, Sichtschutz und Desinfektionsmitteln selbstverständlich. „Im Fall einer Quarantäneanordnung tun die Frauenhäuser alles, um für die Bewohnerinnen Ausweichquartiere zu finden“, so Wolfgramm. Allerdings sei der Personalaufwand durch die Coronabedingungen erheblich gestiegen, die Finanzierung aber noch nicht geregelt“, betont Wolfgramm. Um das Gewaltschutzsystem im Land zu sichern, müsse die Infrastruktur in der kommunalen Pandemieplanung gestärkt werden. Ein ganz praktikabler erster Schritt wäre die kostenfreie Testung im Bedarfsfall von Bewohnerinnen und Mitarbeiterinnen, so die Vorstandsvorsitzende.

 „Die derzeitige Situation bedeutet für die Mitarbeiterinnen eine Vielzahl an zusätzlichen Aufgaben. Die Arbeits- und auch psychische Belastung ist extrem hoch“, bestätigt Juliane Schmieder, Leiterin des Frauen- und Kinderschutzhauses Tuttlingen. „Wir haben dieses Jahr im April bereits eine externe Wohnung angemietet, um eine Überbelegung des Frauenhauses zu vermeiden. Nach Möglichkeit werden dort neu aufgenommene Frauen und ihre Kinder zunächst für 14 Tage isoliert untergebracht, damit im Falle einer Corona Infektion das Virus nicht ins Frauenhaus getragen wird. Wir sind aber auch im Falle einer Quarantäneanordnung gut und sicher aufgestellt: Durch die externe Wohnung haben wir die Möglichkeit, betroffene Frauen und Kinder dorthin zu verlegen“, so Schmieder. „Die angemietete 4-Zimmer-Wohnung musste unter großem Zeitdruck komplett mit gespendeten, gebrauchten Möbeln ausgestattet werden. Außerdem wurde ein Büroraum zur Beratung mit Telefon- und Internetanschluss eingerichtet. Die Unterbringung gewaltbetroffener Frauen an zwei Standorten bedeutet für die Mitarbeiterinnen faktisch mehr Arbeit“, so Schmieder weiter. Die Übernahme der Miete externer Quartiere durch das Land sei sehr hilfreich. Der Personalaufwand durch die Versorgung der Menschen in Quarantäne und in dem Außenquartier wird jedoch von keinem Kostenträger, weder vom Land noch vom Landkreis, getragen. Dieser Fakt ist für die Trägervereine auf Dauer katastrophal“, sagt Schmieder.

Pressekontakt Frauen- und Kinderschutzhaus Tuttlingen: Juliane Schmieder, Tel. 07461-2066, E-Mail: Info@Frauenhaus-Tuttlingen.de

Frauen- und Kinderschutzhaus Tuttlingen

Das Frauen- und Kinderschutzhaus Tuttlingen wurde vor 25 Jahren eröffnet. Es verfügt über 6 Zimmer unterschiedlicher Größe und bietet Platz für 12 Personen (Frauen und Kinder). Den Bewohnerinnen mit ihren Kindern stehen 3 Bäder mit Toiletten, sowie eine Küche, ein Wohnzimmer, ein Spielzimmer und ein Jugendzimmer zur gemeinsamen Nutzung zur Verfügung. Drei hauptamtliche Mitarbeiterinnen unterstützen die Frauen und Kinder auf ihrem Weg in eine selbstbestimmte, gewaltfreie Zukunft. Dem Frauenhaus angegliedert ist eine externe Beratungsstelle, die sowohl präventive als auch nachsorgende Beratung anbietet. Weitere Infos unter https://www.frauen-gegen-gewalt.de/de/organisation/frauen-und-kinderschutzhaus-tuttlingen.html .

 

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