Der PARITÄTISCHE Baden-Württemberg fordert Soforthilfen für Wohnungslose zum Schutz vor Corona

Pressemitteilung - geschrieben am Dienstag, 17. März 2020 - 08:58

Berlin/Stuttgart/Karlsruhe 17.03.2020            Mit der heute gegründeten „Sozialen Plattform Wohnen – Für eine menschenorientierte Wohnungspolitik“ wollen sich acht Wohlfahrts-, Sozial- und Fachverbände für Menschen engagieren, die auf dem derzeitigen Wohnungsmarkt kaum Chancen haben. Am stärksten von Wohnungsnot betroffen sind arbeitslose und armutsgefährdete Menschen, Menschen mit einer Behinderung oder Krankheit, Menschen, die verschuldet sind und Schufa Einträge haben, Menschen mit Migrationshintergrund und Alleinerziehende. Der angespannte Wohnungsmarkt sei auch das Grundproblem bei Wohnungslosigkeit, erklärt dazu der PARITÄTISCHE Baden-Württemberg. Der Verband fordert vom Land eine soziale Wohnungspolitik, die bestehenden Wohnraum sichert und Wohnungsverlust präventiv verhindert. Die Notwendigkeit einer Soforthilfe zum Schutz vor der Corona Pandemie sieht der PARITÄTISCHE vor allem für die wohnungslosen Menschen im Land, die auf der Straße oder in den Notunterkünften und Winternotquartieren leben. Viele dieser Menschen sind medizinisch unterversorgt, haben Mehrfacherkrankungen und gehören damit zur Risikogruppe.

„Der gesundheitliche Zustand und die gesundheitliche Versorgung bei wohnungslosen Menschen ist meist schlecht“, betont Ursel Wolfgramm, Vorstandsvorsitzende des PARITÄTISCHEN Baden-Württemberg. „Sie gehören in Zeiten der Corona-Pandemie zu der am meisten gefährdeten Risikogruppe und benötigen besonderen Schutz. Um Sozialkontakte zu reduzieren, brauchen sie die Möglichkeit, sich auch tagsüber in den sogenannten ordnungsrechtlichen Unterkünften und Notunterkünften aufzuhalten“, so Wolfgramm. Außerdem müssten die Erfrierungsschutz-Angebote im Winter als Corona-Schutzmaßnahme über den 31. März hinaus bis auf weiteres verlängert und auf Zwangsräumungen verzichtet werden, so die Vorstandsvorsitzende.

„Der beste und zurzeit effektivste Schutz vor der Pandemie ist eine Wohnung. Aber die Chancen für wohnungslose Menschen, passenden Wohnraum zu finden, sind aufgrund mangelnder Solvenz und Stigmatisierung schon immer schwierig. Bei der aktuellen Entwicklung auf dem Wohnungsmarkt sinken sie auf nahezu Null“, sagt Jörg Mauter, Geschäftsführender Vorstand von SOZPÄDAL - Sozialpädagogische Alternativen e. V., Karlsruhe. „Statt in den Ausbau von Notunterkünfte und Unterbringungen in Hotels zu investieren, ist eine Gesamtstrategie der Wohnungsversorgung speziell für wohnungslos gewordene Menschen notwendig. Dies kann durch gezielte Wohnungsvergabe oder Wohnraumakquise für Wohnungslose durch die Kommune oder freie Träger der Wohlfahrtspflege geschehen“, ergänzt Mauter. Zur Prävention von Wohnungsverlust und zum Erhalt von Wohnraum in Notsituationen sei der flächendeckende Ausbau von zentralen Fachstellen erforderlich.

Die Anstrengungen zum Schutz vor Wohnungsverlust müssen nach Ansicht des PARITÄTISCHEN  deutlich verstärkt werden, u. a. durch Regelungen zur Mietschuldenübernahme im SGB II, einen Ausbau von Beratungsangeboten und eine effektivere Kooperation und Vernetzung von Kommunen, freien Trägern und Wohnungsunternehmen vor Ort. Räumungsklagen und Zwangsräumungen gelte es konsequent zu verhindern.

Die Soziale Plattform Wohnen veröffentlicht zu ihrem Auftakt die Broschüre "Menschen im Schatten des Wohnungsmarktes", die jetzt unter www.paritaet.org zum Download bereit steht.

 

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