Der PARITÄTISCHE Baden-Württemberg fordert Hilfen für Kinder als Regelangebot in der ambulanten Suchthilfe

Pressemitteilung - geschrieben am Freitag, 12. Februar 2021 - 09:00

Mannheim/Stuttgart 12.02.2021   In Baden-Württemberg haben rund 150.000 Kinder unter 15 Jahren mindestens einen suchtkranken Elternteil. Das ist nach der aktuellen Suchthilfestatistik der Landesstelle für Suchtfragen der Liga der freien Wohlfahrtspflege in Baden-Württemberg (2018) jedes siebte Kind. Der PARITÄTISCHE Baden-Württemberg fordert zum Auftakt der Aktionswoche „Kinder aus suchtbelasteten Familien“ (14.-20.02.2021), Hilfen für Kinder als Regelangebot in der ambulanten Suchthilfe einzuführen. Bisher laufe die Finanzierung überwiegend über Projektmittel, Förderanträge, Eigenmittel der Träger und Spenden. Erforderlich sei eine gesetzlich geregelte Finanzierung verbunden mit einem Rechtsanspruch der Kinder auf Unterstützung und Hilfe, so der Verband.

„Kinder aus suchtbelasteten Familien können in der aktuellen Situation nur schwer vom Hilfesystem aufgefangen werden. Die Erreichbarkeit der betroffenen Kinder ist mit Schließung von Schulen und KiTas massiv eingeschränkt. Das bestehende Hilfsangebot ist noch nicht ausreichend verankert“, erklärt Ursel Wolfgramm, Vorstandsvorsitzende des PARITÄTISCHEN Baden-Württemberg. „Um den Bedarf der Kinder zukünftig ausreichend zu decken, müssen die Hilfen zum Regelangebot in der ambulanten Suchthilfe und verbindlich finanziert werden. Diese Kinder haben ein Recht auf Schutz, Hilfe und Unterstützung“, so Wolfgramm weiter. Es könne nicht sein, dass es vom guten Willen der Kommune abhinge, ob Kinder vor Ort ein Hilfsangebot bekommen und damit die Chance, möglichst unbeschadet aus der belasteten familiären Situation hervorzugehen.

Kind sein, ist nicht einfach, wenn die Eltern suchtkrank sind. Sie übernehmen oft viel zu früh Verantwortung, immer in dem Bemühen, die Familiensituation damit zu stabilisieren. Das bedeutet für die Kinder eine permanente Überforderung, Dauerbelastung oder Angst. Ihre eigenen Wünsche und Bedürfnisse kommen fast immer zu kurz“, erklärt Hella-Talina Tatomir-Yeboah, Teamleiterin Hilf.Kids beim Drogenverein Mannheim e.V. Mit dem Angebot „Hilf.Kids“ wolle der Verein die Kinder frühzeitig schützen und ihnen Chancen für eine gesunde Entwicklung ermöglichen. Besonders wichtig sei auch der Familienerhalt.Wir praktizieren eine familienorientierte Haltung und unterstützen sowie ermutigen die Eltern in ihrem Wunsch, gute Eltern zu sein. So können sich die Kinder zu gesunden, lebenstüchtigen Erwachsenen entwickeln und das Risiko, später selbst an einer Sucht zu erkranken, wird maßgeblich verringert“, so Tatomir-Yeboah.

Der Drogenverein Mannheim e.V. veranstaltet im Rahmen der Aktionswoche „Kinder aus suchtbelasteten Familien“ ab Montag, 14.02.2021 eine Social-Media-Aktion mit Kurzfilmen, Fakten und Interviews zum Thema sowie eine Geschenkeaktion für die betreuten Familien. Sie erhalten Bücher zum Basteln mit Haushaltsmaterialien, Blöcke zum Malen nach Zahlen, ein Quiz oder ein Origami-Bastelset.

Pressekontakt Drogenverein Mannheim e.V.: Hella-Talina Tatomir-Yeboah, Teamleiterin Hilf.Kids, Telefon:  0621 159 00 – 53, , E-Mailtatomir@drogenverein.de

Hintergrundinformationen:

Bundesweiten Aktionswoche „Kinder aus suchtbelasteten Familien“

Die bundesweite COA (Children of Alcoholics/ Children of Addicts) - Aktionswoche für Kinder aus suchtbelasteten Familien (14. bis 20. Februar 2021) von NACOA Deutschland, dem Interessenverband für Kinder aus suchtbelasteten Familien, steht in diesem Jahr unter dem Motto „Vergessenen Kindern eine Stimme geben“. Ziel ist es, auf die schwierige, oft desaströse Situation dieser Kinder aufmerksam zu machen. Bundesweit werden über 60 Veranstaltungen und Aktionen – pandemiebedingt überwiegend in digitalen Formaten – stattfinden.

Laut Sucht- und Drogenbericht der Bundesregierung 2020 haben bundesweit knapp drei Millionen Kinder und Jugendliche in Deutschland mindestens einen suchtkranken Elternteil, davon 2,65 Millionen mit der Diagnose Alkoholmissbrauch oder – Abhängigkeit, 40.000 bis 60.000 mit Eltern, die  illegalen Suchtmitteln konsumieren. Nicht eingerechnet sind Zahlen für Kinder aus Familien mit Verhaltenssüchten, wie bspw. Glücksspielabhängigkeit

Drogenverein Mannheim e.V.

Über das Angebot „Hilf.Kids- Hilfen für suchtbelastete Familien“ des Drogenverein Mannheim e.V. wurden im Jahr 2020 180 Familien mit ihren 253 Kindern betreut. In den genannten Fällen fand die Bearbeitung von Themen, wie Schwangerschaft, Erziehung, Elternrolle, Auswirkungen der Sucht auf die Entwicklung der Kinder etc. statt und/oder es konnte eine Anbindung der Familien an interne familienorientierte Veranstaltungen und/oder an externe Kooperationspartner (Jugendamt, Kindergruppen etc.) erreicht werden. Insgesamt wurden im letzten Jahr 385 Kinder und Jugendliche, deren Eltern in verschiedenen Bereichen in der Einrichtung angebunden sind, erfasst und eine standardisierte Risikoeinschätzung vorgenommen. Mehr als die Hälfte dieser Kinder befinden sich im suchtbelasteten elterlichen Haushalt, während die restlichen betroffenen Kinder fremduntergebracht (Herkunftsfamilie der Eltern oder Jugendhilfe) sind. Weiter Infos unter www.drogenverein.de

 

Wichtige Werkzeuge

Artikel merken