ASS, Arbeitsgemeinschaft der Spezialisierten Schuldnerberatung Mannheim, fordert einen Rechtsanspruch auf Schuldnerberatung

Pressemitteilung - geschrieben am Donnerstag, 28. May 2020 - 15:29

Kinder überschuldeter Eltern besonders armutsgefährdet

zur Aktionswoche Schuldnerberatung „Chancenlose Kinder? Gutes Aufwachsen trotz Überschuldung!“ vom 25. bis 29. Mai 2020

Mannheim/Stuttgart 26.05.2020   In Baden-Württemberg sind nach dem „SchuldnerAtlas Deutschland 2019“ knapp 750.000 Menschen überschuldet. Viele davon sind Familien mit Kindern. Der PARITÄTISCHE Baden-Württemberg fordert zur landesweiten „Aktionswoche Schuldnerberatung“ existenzsichernde Sozialleistungen sowie eine Kindergrundsicherung zum Schutz vor Armut trotz Überschuldung. Notwendig seien ein allgemeinverbindlicher Rechtsanspruch auf kostenlose Schuldnerberatung sowie der bedarfsgerechte Ausbau und eine gesicherte Finanzierung, so der Verband. Laut Creditreform beträgt die Überschuldungsquote in Mannheim 13,95 Prozent und liegt damit im bundesdeutschen Ranking der 401 Kreise und kreisfreien Städte auf Rang 369.

Die aktuelle Corona Krise verschärfe die Situation überschuldeter Menschen. So sei der Schutz vor Pfändungen und die Beantragung von Sozialleistungen oder anderen Hilfen aktuell deutlich erschwert. Aber schon vor Corona sei der Zugang zu kostenfreier Schuldnerberatung nicht für alle Menschen möglich gewesen. „Wir brauchen einen verbindlichen Rechtsanspruch auf Schuldnerberatung für alle“, fordert Thomas Weichert, Geschäftsführer der ASS, in Trägerschaft des PARITÄTISCHEN Baden-Württemberg und der AWO Kreisverband Mannheim.  

„Kein Geld zu haben bedeutet nicht nur, dass man sich wenig leisten kann. Es bedeutet sehr oft auch mehr Einsamkeit, schlechtere Ernährung und damit einhergehend auch schlechtere Gesundheit. Hinzu kommen die Scham und die Angst vor Ausgrenzung“, sagt Angelika Weinkötz, Vorständin  beim AWO Kreisverband Mannheim e.V.. „Gerade Kinder leiden extrem unter den Auswirkungen von Armut. Sei es, dass der eigene Kindergeburtstag nicht gefeiert werden kann oder die Kinder sichtbar armseliger gekleidet und damit dem Spott anderer ausgeliefert sind. Oft führt der Schuldendruck auch innerhalb der Familie zu mehr Streitigkeiten und schlechter Stimmung und so ist auch das eigene Zuhause kein Ort der Entspannung. Kurz: Schulden verhindern Teilhabe und Glück – vor diesem Hintergrund unterstützt die Arbeiterwohlfahrt Mannheim die Forderung der Aktionswoche 2020 auf ein sozialrechtlich verankertes Recht auf Schuldnerberatung für alle“, so Weinkötz.

„Die finanzielle Notlage überschuldeter Eltern beeinträchtigt die Lebenssituation von Kindern erheblich. Das Familienleben dreht sich vor allem um die Sorge, ob die nächste offene Rechnung bezahlt werden kann und das Geld ausreicht, um Miete, Lebensmittel und andere Geldforderungen zu begleichen. Da kommen die Kinder häufig zu kurz“, betont Ursel Wolfgramm, Vorstandsvorsitzende des PARITÄTISCHEN Baden-Württemberg. Aber den Kindern fehle es nicht nur an Geld. Arm sein bedeute oft auch, ausgeschlossen zu sein. „Chancengerechtigkeit und Bildungserfolg hängen leider immer noch eng mit der finanziellen Situation von Familien zusammen. Wir brauchen eine Kindergrundsicherung, die an ein realistisch berechnetes kindliches Existenzminimum gekoppelt ist und Bildung und Teilhabe ermöglicht“ ergänzt Wolfgramm. In der neuen Leistung könnten Kindergeld, Kinderzuschlag, Bildungs- und Teilhabepaket sowie Kinderfreibetrag zusammenfließen und würden nebenbei erheblich zum Bürokratieabbau beitragen.

Hintergrundinformationen: Knapp 6,9 Millionen Menschen in Deutschland sind überschuldet. Alleine in Baden-Württemberg ist jede zwölfte Person betroffen, darunter auch viele Familien mit Kindern. Laut Creditreform beträgt die Überschuldungsquote in Mannheim 13,95 Prozent und liegt damit im bundesdeutschen Ranking der 401 Kreise und kreisfreien Städte auf Rang 369. Eine der Hauptursache für die Ver- und Überschuldung ist der Verlust des Arbeitsplatzes und der damit verbundene Einkommensrückgang.

Insgesamt sind in Baden-Württemberg rund 1,6 Millionen Menschen von Armut betroffen davon sind ca. 325.000 Kinder und Jugendliche. Als armutsgefährdet gelten Kinder, die in einem Haushalt leben, der über weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Haushaltsnettoeinkommens verfügen kann oder vom Staat eine Grundsicherung erhält.

Das Bundessozialgericht (BSG) hat mit seiner Entscheidung vom 13.07.2010 klargestellt, dass Menschen, die keine (ergänzenden) Leistungen nach dem SGB II erhalten, die Kosten für die Schuldnerberatung selbst tragen müssen. In der Praxis hat dieses Urteil dazu geführt, dass in einer großen Anzahl von Kommunen erwerbstätige überschuldete Personen keinen offenen und niedrigschwelligen Zugang zu öffentlich finanzierten Beratungsangeboten mehr haben.

Die bundesweite Aktionswoche der Schuldnerberatung zielt jedes Jahr darauf ab, die Aufmerksamkeit der medialen Öffentlichkeit und die der Gesellschaft in Deutschland auf Themen der Schuldnerberatung zu lenken. Politische Verantwortungsträger in Bund, Ländern und Gemeinden sind aufzufordern, die Realität von Kinder überschuldeter Familien anzuerkennen und die Veränderungsimpulse umzusetzen. Unterstützt wird die Aktionswoche von zahlreichen Verbänden, Mitgliedsorganisationen und Akteure im Arbeitsfeld Schuldnerberatung.

Arbeitsgemeinschaft Spezialisierte Schuldnerberatung Mannheim (ASS) GmbH: Die ASS ist eine gemeinnützige GmbH in Trägerschaft des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Landesverband Baden-Württemberg e.V. und der Arbeiterwohlfahrt Kreisverband Mannheim e.V. und bietet seit 1996 Schuldner- und Insolvenzberatung im Auftrag der Stadt Mannheim an. Im Jahr 2019 wurden 467 überschuldete Personen zu den bestehenden Klienten neu aufgenommen und 471 Beratungen wurden beendet. Unter den abgeschlossenen Fällen befanden sich beispielsweise 225 Betroffene, die mit Unterstützung der ASS einen Insolvenzantrag gestellt und 71 Personen die eine Regulierung erwirkt haben. Eine Kontaktaufnahme per E-Mail ist unter info@ass-ma.de möglich.

 

    

 

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