06.03.2019

pro familia und PARITÄTISCHER Baden-Württemberg präsentieren 10-Punkte-Maßnahmenplan für die Wahrung der Rechte von Frauen im Schwangerschaftskonflikt

Pforzheim/Stuttgart 06.03.2019           Zum Weltfrauentag (08.03.) präsentieren der PARITÄTISCHE und pro familia Baden-Württemberg einen 10-Punkte-Plan zur Wahrung der Rechte der Frauen im Schwangerschaftskonflikt. Dort sind konkrete Maßnahmen für eine gute Beratung, bessere Hilfen und eine sichere und verlässliche medizinische Versorgung vor Ort festgelegt. In jedem Stadt- und Landkreis müssen die Möglichkeit eines Schwangerschaftsabbruchs und die freie Wahl der Methode sichergestellt sein, heißt es in dem Papier. Zur Wahrung der Persönlichkeitsrechte der betroffenen
Frauen fordern die Verbände vom Gesetzgeber, Schutzzonen vor Schwangeren- und Schwangerschaftskonfliktberatungsstellen und Arztpraxen verbindlich festzulegen.

„Der freie Zugang zu Information gehört zu den höchsten demokratischen Errungenschaften und ist die Grundlage dafür, selbstbestimmt und fundiert Entscheidungen treffen zu können“, erklärt Feray Sahin, Bereichsleitung Familie, Kinder und Migration beim PARITÄTISCHEN Baden-Württemberg. „Die geplante auf freiwilliger Basis erhobene Adressliste der Bundesärztekammer über Ärzt*innen, Krankenhäuser und Einrichtungen, die Schwangerschaftsabbrüche vornehmen, ist keine verlässliche Lösung. Eine solche Adressdatei muss länderspezifisch gepflegt und auf Versorgungssicherheit überprüft werden. Nur so können auch Versorgungslücken rechtzeitig erkannt werden“, so Sahin weiter. Nach dem Gesetz stehen die jeweiligen Bundesländer in der Verantwortung, das Angebot flächendeckend zu sichern. In Baden-Württemberg gibt es bisher keine fundierte Übersicht über Arztpraxen und Kliniken, die Schwangerschaftsabbrüche durchführen.

„Die Schwangeren- und Schwangerschaftskonfliktberatungsstellen beobachten, dass immer weniger Ärzt*innen Schwangerschaftsabbrüche vornehmen. Viele finden keine Nachfolge für diese Dienstleistung, wenn sie die Praxis aus Altersgründen übergeben“, sagt Gudrun Christ, Landesgeschäftsführerin beim pro familia Landesverband e.V.. „Derzeit gibt es in Baden-Württemberg nach unseren Kenntnissen nur etwa 60 Ärzt*innen sowie elf Kliniken, an die wir Frauen für einen Abbruch der Schwangerschaft nach der Beratungsregelung verweisen können. Frauen müssen oft weite Wege in Kauf nehmen. Das führt zu zusätzlichen großen Belastungen, denn viele haben Familie“, so Christ.  

„Die im staatlichen Auftrag arbeitenden Schwangeren- und Schwangerschaftskonfliktberatungsstellen sind Teil des Schutzkonzeptes für das ungeborene Leben. Sie müssen wie die betroffenen Frauen vor Diffamierungen und in ihren Persönlichkeitsgrundrechen geschützt werden. Unsere Forderung gegen eine Versammlung vor Beratungsstellen in Pforzheim und an andern Orten stößt in der Kommunal- und Landespolitik auf breite Unterstützung“, erklärt Edith Münch, Geschäftsführerin vom pro familia Ortsverband Pforzheim e.V.. „Mit im Boot sind jetzt auch wichtige Akteur*innen aus Pforzheim und dem Enzkreis, um Frauen bei Schwangerschaftskonflikt vor Ort eine verlässliche medizinische Versorgung zu sichern“, ergänzt Ute Hötzer, im Kreisvorstand des PARITÄTISCHEN Pforzheim-Enzkreis. „Wir freuen uns, dass die konkrete Umsetzung unseres 10-Punkte-Maßnahmenplans jetzt hier mit unseren Expert*innen beraten werden konnte, so Barbara Scheffler, im Vorstand vom Ortsverband pro familia Pforzheim.

Die Verbände fordern außerdem, dass medizinische Aspekte von Schwangerschaftsabbrüchen sowohl Bestandteil der Ausbildung, als auch der Fortbildung für Mediziner*innen werden und die Vergütungspauschale überprüft wird. Dazu gehöre auch, dass die Kliniken im Land Schwangerschaftsabbrüche nach der Beratungsregelung in ihr Portfolio aufnehmen.
 

Weitere Pressekontakte: Pro familia Baden-Württemberg, Gudrun Christ, Landesgeschäftsführung, Tel. 0711 2599353, lv.baden-wuerttemberg@profamilia.de; pro familia Pforzheim: Edith Münch, Geschäftsführung, Tel. 07231-607586-40, E-Mail: edith.muench@profamilia.de



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