22.11.2018

PARITÄTISCHER fordert sofortigen Ausbau des Unterstützungssystems für von Gewalt betroffene Frauen und Kinder

Stuttgart 22.11.2018   Anlässlich des „Internationalen Tages zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen“ kritisiert der PARITÄTISCHE die mangelnde Versorgungslage für von Gewalt betroffene Frauen und Kinder im Land scharf. Die Situation im Land sei alarmierend. Allein in Baden-Württemberg haben rund 140.500 Frauen häusliche Gewalt und 47.000 Frauen sexuelle Gewalt erlebt. Zwei Drittel von ihnen trugen körperliche Verletzungen davon. Das ergibt sich aus einer EU-weiten Erhebung der „Europäischen Grundrechteagentur (FRA)“ von 2014, in der drei Prozent aller Frauen häusliche Gewalt und ein Prozent sexuelle Gewalt in den letzten zwölf Monaten erfahren hatten.

„Es ist ein Skandal, dass gewaltbetroffene Frauen und ihre Kinder nicht ausreichend geschützt werden können, weil es an den entsprechenden ambulanten und stationären Einrichtungen fehlt“, erklärt Dr. Katrin Lehmann, Referentin Frauen und Mädchen beim PARITÄTISCHEN Baden-Württemberg. „Es kann nicht sein, dass der gesamte Bereich „Gewalt gegen Frauen“ weiterhin komplett unterfinanziert ist. Dieser Missstand ist seit Jahren bekannt und trotzdem wird die Versorgung nicht ausgebaut. Das Land muss jetzt handeln und zwar sofort, das sind wir auch den Kindern schuldig“, so Dr. Lehmann. „Das Miterleben von Gewalt hat verheerende schädigende Folgen für die Seele der betroffenen Kinder. Und das Risiko, später als Erwachsene, selbst in einer gewalttätigen Beziehung zu leben, ist erwiesenermaßen sehr hoch. Wir müssen diese Kinder schützen und mit den notwendigen Hilfen dafür sorgen, dass sich das Erlebte nicht wiederholt“, so Dr. Lehmann weiter.

Die Einrichtung von Beratungsstellen und Frauenhäuser ist eine Angelegenheit der Länder. Deshalb fordert der PARITÄTISCHE die Landesregierung auf, zeitnah ein Konzept für ein flächendeckendes stationäres und ambulantes Angebot an Hilfen in Baden-Württemberg zu entwickeln und umzusetzen. Auf Bundesebene müsse die Regierung ihre Gesetzgebungskompetenz wahrnehmen und einen verbindlichen Rechtsanspruch auf Schutz und Hilfe erarbeiten.

Derzeit stehen in Baden-Württemberg rund 350 Plätze für Frauen und 415 Plätze für Kinder in 42 Frauenhäusern zur Verfügung. Gemäß einer Empfehlung der von Deutschland unterzeichneten Europakonvention braucht Baden-Württemberg über 1.000 Plätze für Frauen und 1.600 für deren Kinder. Im ambulanten Bereich :verfügt Baden-Württemberg entsprechend der Bestandsanalyse der DHBW aus dem Jahr 2016 über 43 Fachberatungsstellen bei häuslicher Gewalt, 30 Fachberatungsstellen bei sexualisierter Gewalt und über 11 Frauennotrufe. Die Personalsituation in diesen Beratungsstellen ist dürftig und wird keineswegs dem Bedarf gerecht.

Wichtiger Veranstaltungshinweis an die Redaktionen: Am 10.12.2018 veranstaltet der PARITÄTISCHE ein Symposium „Staatliches Handeln gegen häusliche Gewalt“ im Hospitalhof in Stuttgart. Themen sind die Handlungsfelder der Konvention, der besondere Bedarf an Schutz und Hilfe in Baden-Württemberg und der Aufbau und das Gelingen interdisziplinärer Kooperationen. Weitere Infos unter https://paritaet-bw.de/veranstaltungen/veranstaltungen-paritaet/artikel/staatliches-handeln-gegen-haeusliche-gewalt-eine-standortbestimmung.html



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