Pflege - Agil und am Puls der Zeit

Fachinformation - geschrieben am Freitag, 7. Januar 2022 - 11:39

Neue Herausforderungen und Anforderungen in der Pflege

Die Pflege steht vor ständigen Heraus- und Anforderungen. Vor manche wird man über Nacht gestellt, wie der Umgang mit der Corona-Pandemie. Andere erfordern bedachtes Handeln und nachhaltige Maßnahmen zur Gestaltung der Transformation des Pflegeberufes und der damit verbundenen Änderungen der Arbeitsstrukturen und -abläufe in den Pflegeeinrichtungen und -diensten.

Im Mittelpunkt das Pflegepersonal

Wir blicken heute schon auf leere Arbeitsmärkte und sprechen deswegen von einem enormen Pflegekräftemangel, der sich auf Grund des demographischen Wandels weiter verstärken wird. Laut Statistiken und Hochrechnungen wird die Zahl der pflegebedürftigen Menschen bis zum Jahr 2030 um eine Millionen Menschen anwachsen.[1]

Mit steigendem Alter steigt das Risiko der Pflegebedürftigkeit und der Grad der Unterstützungsbedarfe. Dem gegenüber steht eine stagnierende Zahl an Auszubildenden in den Pflegeberufen. Der Umstand, dass bereits heute ca. 43 Prozent der Pflegekräfte über 50 Jahre alt sind und bis zum Jahr 2035 das Rentenalter[2] erreichen, wird die Situation weiter verschärfen.

Die Gewinnung der Pflegekräfte steht am Anfang, ob als Auszubildender, als Quereinsteiger und Rückkehrer oder Einwanderer. Weiter führt der Weg zur Stabilisierung der Pflegekräftesituation über die Weiterbildung, das Erkennen und Fördern von Talenten, die Gestaltung von Aufstiegschancen, das wertschätzende Betriebsklima und Miteinander, bis hin zur Einbeziehung der Mitarbeiter*innen in die Gestaltung der Veränderungen. Mitarbeiter, die sich wohl- fühlen, über eine gute Kommunikationskultur mit ihren Bedürfnissen wahrgenommen und sich mit ihren Ideen eingebunden fühlen, binden sich länger an ihren Arbeitgeber.

Vom DIE zum WIR

Neben den gesetzlichen Änderungen und dem ständigen Fortschritt gilt es, neue Aufgabenprofile und Rollen in der Pflege aufzubauen und miteinander in Einklang zu bringen. Die Kunst dabei ist es, die Vielfalt der unterschiedlichen Ausbildungen und Qualifizierungen (Pflegefachkräfte, Hilfs- und Assistenzkräfte, Betreuungskräfte) sowie die Talente und Charaktere der oft bunten Mitarbeiterschaft mit- einander zu verknüpfen und in Einklang zu bringen.

Wie beim Zusammenspiel der einzelnen Bestandteile einer mechanischen Uhr müssen die Aufgaben und Rollen aller in der Pflege und in Führungspositionen Tätigen aufeinander abgestimmt und in einen Fluss gebracht werden. Die Triebfedern sind gelebte Haltungen und Werte, die den Mehrwert unterschiedlicher Expertisen und der besonderen Qualität von Vielfalt als Prädikat verinnerlichen.

Pflege am Puls der Zeit

Der Pflegeberuf wird in den kommenden Jahren noch viele Profile im Zusammenhang mit der weiter fortschreitenden Digitalisierung entwickeln und annehmen. Das Berufsfeld wird sich weiter spezialisieren und professionalisieren, z.B. durch die Delegation und Substitution heilkundlicher Tätigkeiten. Eines aber wird immer bleiben. Die Pflege ist und wird immer für und mit den Menschen interagieren. Diese Zuwendung können weder die Digitalisierung noch andere Techniken ersetzen.

Jede gesetzliche Änderung in der Pflegeversicherung und jeder technische Fortschritt erfordern eine neue Transformation. So erlebten wir in den letzten Jahren die Einführung der generalistischen Pflegeausbildung, die den Kompetenzerwerb mit den zunehmend komplexer werdenden Pflegesituationen in der Langzeitpflege in den Mittelpunkt stellt und die zukünftigen Pflegekräfte zu Allroundern für alle pflegerischen Bereiche ausbildet. Dabei ist die Pflegeausbildung keine Sackgasse, sondern eröffnet viele Möglichkeiten und eine Vielfalt von Facetten weiteren Expertise-Erwerbs und der persönlichen Weiterentwicklung in Fachbereiche bis hin zur Akademisierung.

Ein neues Personalbemessungsinstrument steht den stationären Pflegeeinrichtungen ins Haus und muss umgesetzt werden. Mit der Umsetzung der neuen Personalbemessung werden vermehrt Pflegeassistenzkräfte erforderlich, für die die Landesregierung in Baden-Württemberg die Ausbildungsrahmen erarbeiten muss.

Die Digitalisierung in der Pflege schreitet weiter voran und erfordert technisches Verständnis. Die Integration neuer Techniken bietet Erleichterungen für die tägliche Arbeit, z.B. mittels sprachgesteuerter Pflegedokumentation, verändert aber auch die Arbeitsabläufe. Dies bedeutet für die Pflege, dass neue Rollen, Aufgaben und Abläufe beschrieben, bewältigt und angenommen werden müssen.

Neuerungen und Veränderungen bedeuten Transformation

Transformation bedeutet immer Neues und Veränderung. Sie steht auch für das Verlassen von Routinen und die Bereitschaft, sich auf „Neues/Anderes“ einzulassen. Auf „Neues“ reagieren die Menschen sehr unterschiedlich. Die Reaktionen können von Ablehnung bis Neugierde variieren. Das ist auch unter den Pflegenden nicht anders. Die eigentliche Kunst liegt darin, alle auf dem Weg der neuen Heraus- und Anforderungen mitzunehmen und der Dynamik in den Transformationen gerecht zu werden.

Agiles Arbeiten und adäquate Kommunikationsformen enthalten Antworten auf die steigende Komplexität in der Pflegebranche und die ständig wachsende Dynamik in den Änderungsprozessen. Hierzu gehören agile Teams, ein agiles Management bis hin zur agilen Organisation, welche im Rahmen gemeinsamer Haltungen und Werte arbeiten. Über angepasste Kommunikationskanäle und Kommunikationsstrukturen werden alle Mitarbeitenden eingebunden und erhalten die Möglichkeit, ihren Kompetenzen entsprechend mitzuwirken. Die Beteiligung an solchen Transformationsprozessen bewirkt eine Steigerung der Arbeitszufriedenheit und Bindung an den Arbeitsplatz. Um Prozesse gut zu bewältigen, sind den Prozessschritten und Prozesszeiten entsprechende Aufmerksamkeit zu schenken. Hierfür sind Personal- und Zeitressourcen notwendig. Leider wird dies weder in den gesetzlichen Vorgaben noch den Personalberechnungen und Personalstellen der Pflegebranche berücksichtigt, obwohl das in anderen Branchen durchaus üblich und refinanziert ist.

Es ist spürbar, dass Pflege ein vielfältiger Beruf ist, der weder eine Sackgasse noch verstaubt ist. Pflege ist eine sinnstiftende und erfüllende Tätigkeit am Puls der Zeit, die vielen Talenten und Charakteren durch ihre unterschiedlichen Arbeitsfelder Raum bietet.

1] Barmer Pflegereport 2021
2] Deutsches Institut für Wirtschaft, Köln
Ansprechperson

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