Mit dabei in den sozialen Medien

Fachinformation - geschrieben am 27.04.2022 - 11:59

Anke Glenz hat ein Lebens- und Arbeitsmotto: „Ein Handicap ist kein Hindernis sondern es hilft, Kreativität zu entwickeln, Hindernisse aus dem Weg zu räumen“. Mit diesem Motto startete sie Ende April 2022 als Referentin der Veranstaltung „Mit dabei in den sozialen Medien“. Gut 40 Teilnehmer aus Baden-Württemberg sowie einzelne aus dem hohen Norden waren dabei. Die Veranstaltung fand im Rahmen des Europäischen Protesttags zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen statt, richtete sich an Menschen mit Behinderung, sie wurde in einfacher Sprache gehalten und von Gebärdendolmetschern übersetzt.

Nach der Begrüßung durch Michael Tränkle, Leiter des Bereichs Menschen mit Behinderung im PARITÄTISCHEN Baden-Württemberg, und Annika Beutel, PARITÄTISCHE Regionalleitung Südbaden, führte die Vorständin des PARITÄTISCHEN Kreisverbands Freiburg/Breisgau-Hochschwarzwald und gelernte Journalistin, Renate Heyberger, als Moderatorin durchs Programm. Das schon zu Beginn ausgemachte „Du“ für alle schaffte gleich eine vertrauensvolle Atmosphäre.

„Sind wir eigentlich schon befreundet?“ - „Weiß ich gar nicht“. Solche Kommentare, wie sie in unserer Veranstaltung vorkamen, kommen allgemein in der Unterhaltung von Menschen recht selten vor. Im Bereich der sozialen Medien schon öfter. Worauf man beim Nutzen der sozialen Medien achten sollte, wo die Besonderheiten und Unterschiede liegen, welche Zielgruppe über welche Medien gut erreichbar sind - darüber berichtete Anke Glenz. Zudem erfuhren die Teilnehmer von ihren persönlichen Erfahrungen mit den sozialen Medien: Als Politikerin, aber auch als Frau mit Handicap.

Anke Glenz war bis Ende März 2022 Behindertenbeauftragte des Landkreises Breisgau-Hochschwarzwald, ist ehemalige Freiburger Gemeinderätin, hat Medien- und Kommunikationswirtschaft mit dem Schwerpunkt Journalismus studiert und selbst ein Handicap. Sie weiß also, wovon sie spricht. Sie kennt die sozialen Medien von beiden Richtungen. Und sie hat mit sympathisch-menschlicher Art den Teilnehmern Frage und Antwort gestanden. „Kann man politisch eigentlich auch etwas erreichen, wenn man nicht so bekannt bist wie Du“, fragte Tanja Westphal, die derzeit als Praktikantin im Regionalverbund Südbaden mitarbeitet. „Klar! Aber es ist immer hilfreich, wenn man bekannter ist und zum Beispiel regelmäßige Beiträge liefert“, antwortete Anke Glenz. Sie motivierte die Teilnehmer, sich zu beteiligen, ihre Meinung zu sagen. Allerdings sei es ihr wichtig, dass man sich nicht nur beschwert, was alles nicht gut laufe. In dem Fall würden auch nicht viele Menschen den Berichten folgen. Ihrer Erfahrung nach helfe es, lustig zu schreiben, von positiven Erfahrungen zu berichten. Das motiviere dann auch andere, sich gesellschaftlich oder politisch zu beteiligen.

Nach einer kurzen Zusammenfassung der Inhalte durch die Moderatorin Renate Heyberger wurde es am Ende noch einmal richtig politisch. Da die Veranstaltung im Rahmen des Europäischen Protesttags zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen stattfand, wollten die Organisatoren der Veranstaltung, Michael Tränkle, Annika Beutel, Katrin Joret (Marketing, PARITÄTISCHER BW) und Hina Marquardt (Presse- und Öffentlichkeitsarbeit PARITÄTISCHER BW) ein gemeinsames Statement mit den Teilnehmern zur digitalen Teilhabe aller Menschen entwickeln. Da Rückmeldungen noch möglich sind, berichten wir darüber in der kommenden Woche.

 

Diese Veranstaltung wurde gefördert durch die Aktion Mensch im Rahmen des Europäischen Protesttags zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen.

Dokumentation "Mit dabei in den sozialen Medien"

Was braucht es für einfache Teilhabe in den sozialen Medien und in der Politik?

Diese Frage stellten wir den Teilnahmer:innen am Ende unserer Veranstaltung, gegliedert in zwei Unterfragen. Die Antworten stellen wir Ihnen hier vor:

Warum ist barrierefreie digitale Teilhabe für ALLE wichtig?

  • Damit alle mitwirken können
  • Barrieren bei der digitalen Teilhabe sind grundlegende Barrieren - das darf nicht sein! Weil sich die Digitalisierung entwickelt und gerade Leute mit einer Behinderung effektiv Nutzen daraus ziehen können wenn sie eben nicht vor grundlegenden Barrieren stehen
  • Damit sich alle zugehörig fühlen, damit Gemeinschaft entstehen kann
  • Wenn nur einer was sagt, dann denkt man, man ist alleine damit. Und wenn das mehrere sagen, dann kann man auch zusammenhalten und was erreichen
  • Wir können sonst keine eigene Lobby entstehen lassen
  • Die Digitale Barrierefreiheit ist für Hörbehinderte und taubblinde Menschen extrem Wichtig, da sie die Tür zu Information und Verständigung öffnet.
  • Teilhabe für Alle! Digitale Barrierefreiheit ist wichtig, weil sie Inklusion fördert und sicherstellt, dass jede:r, unabhängig von Behinderungen, Zugang zu den gleichen Informationen hat.

Wo sind wir aktuell noch ausgeschlossen? Was muss sich verändern?

  • Alles muss einfacher erklärt werden
  • Zugänge müssen einfacher sein. Datenschutz und AGBs sind zu viel Text und nicht verständlich
  • Es könnte Schulungen geben, in denen die sozialen Medien einzeln erklärt werden.
  • Es wäre schön, wenn auch mal Leute wie wir gefragt werden würden. Ich hab immer das Gefühl, es interessiert niemanden, was ich sage.
  • Gebärdensprache: Es sollten möglichst alle wichtigen Informationen die zwar in Textform vorhanden sind, trotzdem auch in Deutscher Gebärdenspache (DGS) zur Verfügung stehen.
  • Untertitel: Untertitel sollten in allen Film- und Interviewbeiträgen dabei sein (Fest od. Auswählbar)
  • Ohne Assistenz sind oft kleine Barrieren nicht zu überwinden doch danach sind die Vorteile oft riesig. Ein Beispiel: Ich bin im Laden und kaufe ein Tablett als Abo. Da muss ich ein Benutzerkonto anlegen und mir ein Passwort ausdenken. Doch wenn diese Barriere dann gemeistert ist dann hat man halt auch ALLE künftigen Rechnungen in dem Fall digital - ich such sehr ungern irgendwelche Dokumente in DinA4 Ordnern.

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