Oma mit Enkel an der Hand im Wald

Für eine enkelfähige Zukunft

Wie bei der Rettung des Weltklimas stehen auch für die Nachhaltigkeit auf der Erde die Ampeln auf Dunkelrot – und müssen besser heute als morgen auf hellstes Grün geschaltet werden. Die Lebensgrundlagen der Menschen auf der ganzen Welt und die der künftigen Generationen stehen auf dem Spiel. Wir müssen jetzt handeln. Ohne Wenn und Aber.

Das Soziale darf dabei nicht im letzten Wagen sitzen. Bei der sozial-ökologischen Wende darf niemand zurück gelassen werden, das sagt schon der Begriff. Ohne das Soziale wird es nicht gelingen, nachhaltige Gesellschaftsmodelle und Lebensentwürfe zu entwickeln und in die Tat umzusetzen.
Solidarität und das Vertrauen darauf sind unsere zentralen sozialen Werte. Ohne sie zerfällt eine Gesellschaft. Wir müssen sie mit allen Möglichkeiten bewahren und vergrößern. Unser Potenzial für soziale, aber auch für die ökologische und die wirtschaftliche Nachhaltigkeit ist groß. Dazu braucht die soziale Arbeit aber nicht nur Anerkennung, sondern auch deutlich mehr Ressourcen. Wir freuen uns über Applaus – mit Nachhaltigkeit.

Kooperation mit dem BUND

Ursel Wolfgramm zur Kooperation des Paritätischen mit dem BUND
Positionspapier der Zusammenarbeit mit dem BUND

Gemeinsam mit dem BUND für eine sozial-ökologische Wende

Wahlsalon zur sozial-ökologischen Wende

Gesunde Ernährung darf keine Frage des Einkommens sein. Mit dem BUND Baden-Württemberg fordern wir von der Landesregierung, die Umstellung der Verpflegung in den Gemeinschaftseinrichtungen finanziell zu unterstützen. Das Ziel: den Anteil an frischen, regionalen und saisonalen Bio-Lebensmitteln in Gemeinschaftseinrichtungen bis 2025 auf 40 Prozent zu erhöhen.

Damit jeder an den Angeboten unserer Gesellschaft teilnehmen kann, sind preisgünstige Mobilitätsangebote unverzichtbar. Zusammen mit dem BUND Baden-Württemberg fordern wir ein 0- Euro-Ticket für den ÖPNV für alle minderjährigen und erwachsenen Menschen, die auf Hartz IV angewiesen sind sowie für alle Rentner*innen, die Anspruch auf Grundsicherung oder Grundrente haben.

Die energetische Sanierung von Gebäuden ist notwendig, um den Energieverbrauch und damit den CO2-Ausstoß zu senken. Zukünftig sollen der soziale Wohnungsbau gefördert werden. Die Sozialbindung (bezüglich Mietpreis und Berechtigung) sollte festgeschrieben werden. Gemeinsam mit dem BUND Baden-Württemberg setzen wir uns für eine sozial-ökologische Wende ein. 

Damit sich auch mobilitätseingeschränkte Personen barrierefrei und sicher fortbewegen können, brauchen wir in den Städten und Gemeinden eine gerechtere Aufteilung des Verkehrsraums. Zusammen mit dem BUND Baden-Württemberg fordern wir von der Landesregierung, die Grundlagen dafür schaffen, dass der vorhandene Straßenraum zugunsten des Fuß- und Radverkehrs umgestaltet wird.

Gemeinsam für eine sozial-ökologische Wende: Damit alle Menschen es sich leisten können, umweltfreundlich zur Arbeit oder zu Freizeitaktivitäten zu fahren, muss das Land flächendeckend in Bahnen, Busse, Rad- und Fußverkehr investieren. Hierzu sind etwa 1 Mrd. Euro zusätzlich zur Verfügung zu stellen – zum Beispiel über eine Nahverkehrsabgabe. 

Mobilitätseingeschränkte Personen, Fußgänger*innen und Radfahrer*innen gehören zu den schwächsten Verkehrsteilnehmer*innen. Zur Erhöhung ihrer Sicherheit fordern  wir innerorts eine Geschwindigkeitsbegrenzung von grundsätzlich 30 km/h.

Moderne Heizungen sind wichtig, weil sie weniger Kohlenstoffdioxid ausstoßen. Wenn sie alt sind und deshalb der CO2-Preis hoch ist, darf nicht die/der Mieter*in dafür bestraft werden. Zusammen fordern wir: Der CO2-Preis darf keinesfalls Teil der Nebenkosten sein. Er muss von den Vermieter*innen bezahlt werden.

Nachhaltigkeit- das machen wir!

sozial genial - ökosoziale Projekte aus Heidelberg
Frau mit einem Fahrrad
sozial genial - ökosoziale Projekte aus Heidelberg
Mann vor einem kaputten Fahrrad
sozial genial - ökosoziale Projekte aus Heidelberg
Junger Mann vor einer Photovaloltaikanlage
sozial genial - ökosoziale Projekte aus Heidelberg
Frau mit einem sharing-PKW
sozial genial - ökosoziale Projekte aus Heidelberg
ein Mann und eine Frau vor einer Straßenbahn
sozial genial - ökosoziale Projekte aus Heidelberg
Frau auf der Straße
sozial genial - ökosoziale Projekte aus Heidelberg

BrainFood zur Sozialen Nachhaltigkeit

Dr. Uta Esers Vortrag beim Paritätischen Brainfood

Alles fürs Gemeinwohl

Der Ansatz der Gemeinwohlökonomie, zuerst von Christian Felber im Jahre 2010 in Buchform formuliert, bietet eine interessante Herangehensweise: Neben die Finanzbilanz, die den finanziellen Erfolg eines Unternehmens misst, tritt die Gemeinwohlbilanz, die den ethischen Erfolg misst.

Anhand von vier Werten

  • Menschenwürde,
  • Solidarität und Gerechtigkeit,
  • Ökologische Nachhaltigkeit und
  • Transparenz/ Mitentscheidung)

wird das reale Wirtschaften eines Unternehmens untersucht und bewertet – und anhand des Ergebnisses dieser Bilanz soll künftig die Besteuerung eines Unternehmens und die Erhebung von Zöllen geregelt werden. Ethisch verantwortliches Handeln wird belohnt, ethisch angreifbares Handeln bringt einen Wettbewerbsnachteil.

Das konkrete Handeln des Unternehmens in Bezug auf diese vier Werte wird im Blick auf alle Berührungsgruppen (Eigentümer, Geldgeber, Mitarbeitende, gesellschaftliches Umfeld) untersucht und bewertet.

Grundlage der Bilanzierung ist ein Handbuch mit Leitfragen

  • Welche Bedeutung kommt der Verschiedenheit von Mitarbeiter*innen (Diversität) im Unternehmen zu?
  • Welche Anreize für umweltbewussteres Mobilitätsverhalten stellt das Unternehmen bereit?
  • Wie werden ökologisch nachteilige Auswirkungen des Unternehmens reduziert?
  • Wie ist sichergestellt, dass in der Zulieferkette keine Verletzung der Menschenwürde vorkommt?

So werden alle internen Prozesse, vom Einkauf über die gerechte Verteilung des Einkommens bis hin zur Reduktion ökologischer Auswirkungen und zum Beitrag für das Gemeinwohl in der Region, untersucht und bewertet. Das Endergebnis ist die Summe aller Schritte, die zu einem ethisch verantwortlichen Handeln im Unternehmen bereits gegangen wurden.

Wilfried Knorr, Geschäftsführer Diakonie Herzogsägmühle gGmbH, PARITÄTinform 4/2020

Vortrag zur Gemeinwohlökonomie mit Christian Felber

Mitschnitt des Vortrags von Christian Felber vom 25.6.21

Beispiele

Gelebte Gemeinwohlökonomie

Der Michaelshof ist eine eher kleine Einrichtung eines Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrums am Rande der Schwäbischen Alb. Der Wille, nachhaltig zu werden, erwies sich als weit greifend, betrifft er doch alle Bereiche einer Einrichtung: von der Ernährung über die Ausstattung bis hin zur Sanierung bzw. dem Neubau der Gebäude. Er erstreckt sich über die Pädagogik, über das Controlling und die Personalplanung und er beeinflusst die Beziehungen zu allen Berührungsgruppen einer Einrichtung wie Jugendämtern, Sorgeberechtigten und Öffentlichkeit.

Insgesamt sind am Standort 50 Kinder und Jugendliche untergebracht, die von Erwachsenen betreut, unterrichtet und begleitet werden. Der Träger steht dem Menschenbild Rudolf Steiners und der Waldorfbewegung nahe und verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz in der Pädagogik. Schon immer haben Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen eine wichtige Rolle gespielt, führten aber in der Praxis meist nur zu vereinzelten, nicht vernetzten Aktionen. Dies ändert sich nun aktuell ganz allmählich. Grund dafür ist die schrittweise Annäherung an die Gedanken der Gemeinwohlökonomie (GWÖ). 

In der Gemeinwohlökonomie geht es kurz gesagt darum, ein Unternehmen mit seinen Produktionsschritten nach seinem Wert für das Wohl aller Menschen transparent zu machen und zu bewerten. Dafür wurden Kriterien aufgestellt, die sich nicht nur auf die Nachhaltigkeit der eingesetzten Verbrauchs- und Rohstoffe beziehen, sondern auch auf die Arbeitsbedingungen und die Einbeziehung der Mitarbeitenden. Durch den Einsatz einer Matrix, die diese Kriterien in Bezug zu den Berührungsgruppen des Unternehmens, wie zum Beispiel den Kunden, setzt, wird ein Score ermittelt, der auf einen Blick darstellt, wo sich ein Unternehmen auf seinem Weg zu einer umweltverträglichen Organisation befindet. Für den Michaelshof heißt das konkret: 

  • seit bald zehn Jahren hat er eine zentrale Holzpelletheizung mit Nahwärmenetz,
  • verfügt über eine eigene Quelle, die mit Trink- und Brauchwasser versorgt,
  • seit Jahren wird ausschließlich Ökostrom bezogen, 
  • demnächst wird eine 80 Kwh-Photovoltaikanlage in Betrieb genommen,
  • es gibt ein Elektroauto in der Fahrzeugflotte,
  • die komplette Innenbeleuchtung in den Gemeinschaftsräumen wurde dank eines Förderprogramms auf LED umgestellt,
  • die Mitarbeitenden werden mittels „Jobrad“ animiert , mit dem Fahrrad zur Arbeit zu kommen,
  • die zentrale Küche versorgt den Michaelshof mit fast ausschließlich biologisch-zertifizierten Lebensmitteln,
  • Kreditaufnahme bei Ökobanken,
  • Verwendung ökologischer Baustoffe bei der Dachsanierung

Was bleibt noch zu tun?

Die dabei wohl schwierigste Aufgabe ist, die Kinder und Jugendlichen und deren Sorgeberechtigten, die eigentlich mit ganz anderen Themen in die Einrichtung
kommen, auch auf diesem Weg mitzunehmen. Gleichzeitig aber auch die Ämter und Kommunen dafür zu sensibilisieren, dass der Nachhaltigkeitsgedanke gerade in der
Arbeit mit benachteiligten Kindern und Jugendlichen einen wichtigen Platz einnehmen muss. Dies kann jedoch nicht zum Nulltarif erfolgen, was noch eine schwierige Hürde auf dem Weg zu einem guten Score und bei der anstehenden Zertifizierung des Michaelshofes sein wird.

Pionierunternehmen mit auditierter Gemeinwohl-Bilanz

Die Wohnanlage Fasanenhof gGmbH (WaF) ermöglicht seit 1977 Menschen mit Körperbehinderung ein weitgehend normales Leben mit beruflicher und sozialer Integration. Die wirtschaftliche Restrukturierung der WaF mit einer nachhaltig-ökologischen Ausrichtung brachte neuen Schwung in die Unternehmensentwicklung. Hierzu war die Gemeinwohl-Bilanzierung das Mittel der Wahl.

Die WaF nahm am erstmalig ausgelobten Förderprogramm der Stadt Stuttgart für KMU zur Erstellung eines Gemein-wohl-Kompakt-Berichts für das Jahr 2018 teil. Der GWÖ-Bericht wurde bis Mai 2019 erstellt, begleitet durch eine Peer-Workshopreihe, Skype-Termine und einem Beratertag im Unternehmen. Ein externes Audit zur Zertifizierung run-dete den Prozess ab und stellte die Berichtsinhalte auf den Prüfstein. Dadurch hebt sich die Gemeinwohlzertifizierung von sonstigen Nachhaltigkeitsberichtsstandards ab.


Bei der Berichterstellung werden die Geschäftsbeziehungen zu den fünf Berührungsgruppen des Unternehmens:

  • Lieferant*innen,
  • Eigentümer*innen/Finanzpartner*innen,
  • Mitarbeitende, Kund*innen/Mitunternehmen und
  • das gesellschaftliche Umfeld

nach den Werten Menschenwürde, Solidarität/Gerechtigkeit, Ökologische Nachhaltigkeit und Transparenz/Mitentscheidung analysiert. Bestehendes wird gewürdigt, Mängel werden festgestellt und Entwicklungsziele definiert. Die Menschenwürde am Arbeitsplatz wird dabei ebenso bewertet wie die in der Zulieferkette und bei den Finanzpartner*innen – faire Arbeitsbedingungen, der Ausschluss von Kinderarbeit bis zur dritten Ebene der Zuliefer-kette stellt ebenso hohe Anforderungen wie die Einschätzung der CO₂-Belastung durch das Mobilitätsverhalten auf dem Weg zur Arbeit oder bei Dienstreisen. 

Die Mitarbeitenden wurden über die GWÖ informiert und interessierten sich für diese Form der Bilanzierung, da sie handhabbar, praxisnah und gestaltbar ist. Die Umsetzung der Ziele erfolgt partizipativ in Projektgruppen: 

■     Bewusstsein für Nachhaltigkeit wird verbessert und auf den Arbeitsalltag adaptiert
■     Einkaufskriterien werden erarbeitet
■     Kritischer Blick für die Lieferant*innen
■     Projektideen zum Beispiel Beschaffung modischer Kleidung unter Sozialhilfebedingungen
■     Sensibilisierung von Mitarbeitenden für nachhaltiges Handeln (Firmenticket, Job-Rad)
■     Faire wertschätzende Arbeitsbeziehungen
■     Steigerung der Mitarbeitendenzufriedenheit und -bindung
■     Blick für die Vielfalt innerbetrieblicher Themen bezüglich Werte/Stakeholder wird geöffnet
■     Erkenntnis: Sozialunternehmen erzielen bezüglich bestimmter Berührungsgruppen durch die Gemeinnützigkeit gute Ergebnisse

Brigitte Göltz, Geschäftsführerin Wohnanlage Fasanenhof gGmbH Stuttgart in PARITÄTinform 4/2020

Corporate Social Responsibility

Corporate Social Responsibility (CSR) ist die Verantwortung von Unternehmen für ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft im Sinne eines nachhaltigen Wirtschaftens. CSR umfasst die Handlungsfelder

  • Ökologie,
  • Ökonomie,
  • Arbeitsplatz und
  • Gemeinwesen.

In der Praxis verwenden viele Firmen und Institutionen CSR und Nachhaltigkeit synonym. 

Beispiele

1 - Bad Wimpfener Gespräche

Bei den Bad Wimpfener Gesprächen, die der PARITÄTISCHE mitinitiiert hat, handelt es sich um eine Veranstaltungsreihe großer baden-württembergischer Unternehmen, des PARITÄTISCHEN Baden-Württemberg gemeinsam mit der Caritas und dem Sparkassenverband Baden-Württemberg, der Malteser Werke und des Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau. Die Veranstaltung findet einmal pro Jahr in der inspirierenden Atmosphäre des Klosters Bad Wimpfen statt. Sie fördert den Austausch zwischen den Stakeholdern aus den verschiedenen Sektoren. Die Gespräche bieten den Akteuren eine Plattform, um CSR im Land gemeinsam vor-anzutreiben und Partnerschaften einzugehen.

2 - Nachtschicht

Die PARITÄTISCHE Nachtschicht ermöglicht es Unternehmen aus der Kreativbranche sich fokussiert für gemeinnützige Organisationen einzusetzen. Die Kreativen spenden während einer achtstündigen Nacht ihr Know-how, ihre Zeit und ihre professionelle Erfahrung. Sie entwickeln Kommunikationsmaßnahmen für Non-Profit-Organisationen, damit deren Einsatz für die Gesellschaft noch wirksamer wird.

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