Querschnittsthema Forschung und Entwicklung

Forschung und Entwicklung in der Sozialen Arbeit

Ein Querschnittsthema hält Einzug im Paritätischen Landesverband

Mit der in 2016 in der Landesgeschäftsstelle geführten Diskussion um Querschnittsthemen wurde ein Bereich identifiziert, der in der Sozialen Arbeit im Prinzip stiefmütterlich behandelt wird. Es geht um Forschung und Entwicklung! Ein Bereich, der in allen anderen Branchen von jeher eine große Rolle spielte und nach wie vor spielt! Kaum vorstellbar, dass bei den Autobauern, der Pharmabranche, in der Luftfahrt, der Elektroindustrie, in der Medizin, der Landwirtschaft oder der IT-Branche irgendein Unternehmen oder Unternehmensverbund auf Forschung und Entwicklung verzichten kann. Als Kunden nehmen wir das gerne unhinterfragt und wie selbstverständlich hin und genießen durchaus die Früchte dieser Arbeit, auch wenn diese technischen Fortschrittsfrüchte manchmal etwas bitter ausfallen, wenn man die Wirkungen auf Umwelt miteinbezieht - siehe Abgasskandal.

Verortung des Themas

Im Paritätischen wurde das Thema im Bereich Menschen mit Behinderung verortet. Dies bot sich an, weil es hier schon viele Fragestellungen und (meist) technische Angebote/Produkte zur Verbesserung der Lebensbedingungen von Menschen mit Behinderung gibt und es durch gesetzgeberische Aktivitäten viel Dynamik und immer wieder Veränderungen der Rahmenbedingungen gibt, bei denen Forschung und Entwicklung eine Rolle spielt bzw. spielen kann. Man denke etwa an die Entwicklung des Neuen Begutachtungs-Assessements (NBA) in der Pflege, das auch in der Eingliederungshilfe verstärkt eine Rolle spielen wird. Oder die Veränderungen beim Brandschutz, die massive Investitionen bei Einrichtungen zur Folge haben.

Verbesserung von Lebenslagen durch Innovation

Die Lebenslagen von Menschen mit Behinderung sind so vielseitig, dass sie geradezu erfordern, sich der Forschung und Entwicklung zuzuwenden.

Ø  Wie gehen wir mit älter werdenden Menschen mit Behinderung um, die an Demenz erkranken?

Ø  Brauchen wir zukünftig auch Pflegeroboter, weil uns die Fachkräfte ausgehen?

Ø  Lässt sich barrierefreier Wohnraum kostengünstig herstellen?

Ø  Ganz allgemein: Wie lässt sich mit Unterstützung von Technik das Leben mit einer Behinderung leichter gestalten?

UN-BRK fordert "Universal Design"!

Schon mit der 2009 in Kraft getretenen UN-Behindertenrechtskonvention sind zentrale Forderungen aufgestellt worden, wie z.B. die Herstellung von Barrierefreiheit, um Inklusion im großen Stil zu realisieren. Aber die UN-BRK fordert noch mehr: nämlich ein „universelles Design", also ein Design von Produkten, Umfeldern, Programmen und Dienstleistungen, das von allen Menschen möglichst weitgehend ohne eine Anpassung genutzt werden kann. Das schließt nicht Hilfsmittel für bestimmte Gruppen von Menschen mit Behinderungen, soweit sie benötigt werden, nicht aus.

Wie kann Ambient Assisted Living (AAL) aussehen?

AAL steht für " Altersgerechte Assistenzsysteme für ein selbstbestimmtes Leben" und meint umgebungsunterstütztes Leben, selbstbestimmtes Leben durch innovative Technik oder Assistenssysteme. Ein anschauliches Beispiel liefert das LebensPhasenHaus (LPH), zu finden Tübingen: http://www.lebensphasenhaus.de/. Es ist das Ergebnis eines Verbundforschungsprojekts und ist ein Ort für Forschung, Demonstration und Wissenstransfer. In Kooperation und Abstimmung zwischen Wissenschaftlern der Universität Tübingen, der Industrie- und Handelskammer Reutlingen, Wirtschaftsunternehmen der Region, Interessensverbänden sowie Experten aus dem Gesundheits- und Pflegebereich ist es entstanden. Ein Besuch lohnt sich für alle, die sich mit neuen Wohnformen auseinander setzen.

 

Was uns im Pariätitschen umtreibt

Wir begeben uns mit dem Querschnittsthema Forschung und Entwicklung auf Neuland. Und da stehen am Anfang Fragen wie diese:

  • Wo findet Forschung in der Sozialen Arbeit eigentlich statt? Wer kann sich das leisten?
  • Gibt es eine Plattform, auf der Informationen gebündelt angeboten werden? Eher Fehlanzeige!
  • Wie erfahren Mitgliedsorganisationen von Neuerungen, die sie ggfs. in der Beratung mit Klienten sinnvoll einbringen könnten? Durch Zufall, Internetrecherchen oder berufliche Kontakte und Besuchen von Messen, Fachtagungen, Zukunftsworkshops, etc.?
  • Was kann/könnte Forschung und Entwicklung in der Sozialen Arbeit bedeuten und welcher Nutzen lässt sich dadurch generieren?
  • Zwingen nicht gerade aktuelle Vorgänge wie zum Beispiel die Debatte um die Wirkungsorientierung in der Eingliederungshilfe und Änderungen der Rahmenbedingungen dazu, diesen Bereich stärker zu fokussieren?
  • Könnte der Paritätische Landesverband vielleicht als Drehscheibe fungieren, um einerseits Wissen seiner Mitglieder zu bündeln und umgekehrt Wissen bereitstellen?
  • Wie denken die Mitglieder des Paritätischen darüber? Halten sie Forschung und Entwicklung für sinnvoll, notwendig, hilfreich oder ist es eher eine Spielwiese, „nice to have“.

Wir wollen es herausfinden und machen uns auf den Weg! Wir wollen uns Schritt für Schritt langsam herantasten.

Sie können mitmachen!

Unsere Überlegungen in Sachen Forschung und Entwicklung gehen dahin, dass dieser Bereich zunehmend wichtiger wird und im Dialog mit den Mitgliedern weiter entwickelt werden soll. Möglichkeiten dazu sehen wir insbesondere darin,

  • Wissensträger aus dem Hochschulsektor zu identifizieren, um mit ihnen ggfs. zu kooperieren
  • einen Arbeitskontakt zur Steinbeis-Stiftung herzustellen, die sich in Sachen Transfer einen Namen gemacht hat
  • eine Denkwerkstatt mit Mitgliedsorganisationen durchzuführen, um ihre Anforderungen an Forschung und Entwicklung näher kennen zu lernen
  • und auf unserer Homepage eine Plattform zu schaffen, auf der für unsere Mitgliedsorganisationen interessante Forschungsergebnisse bereitgestellt werden.

 

Ihre Meinung interessiert uns!

Wir laden Sie ein, uns bei diesem Prozess zu begleiten! Wir freuen uns auf Ihre Anregungen, Ideen und Meinungen zu unserem neuen Querschnittsthema.