28.01.2019

„Wohnen muss bezahlbar sein!“

Schaffung von Sozialwohnungen war Thema beim Liga-Fachtag

Erfahrungen im sozialen Wohnungsbau und der Wohnungsbaupolitik sowie Perspektiven zur Schaffung von bezahlbarem Wohnraum durch die Wohlfahrtspflege waren Thema eines Fachtags der Liga der freien Wohlfahrtspflege.

Dr. Robert Bachert betonte bei seiner Begrüßung in der Landesgeschäftsstelle des Diakonischen Werks Württemberg (DWW), dass das Wohnen die soziale Lage von Menschen aufzeige und Ungleichheit verdeutliche. Der Finanzvorstand des DWW machte deutlich, dass angesichts der Wohnungsnot einerseits und den Fördermöglichkeiten des Landes als auch den inspirierenden praktischen Beispielen andererseits es nun auch für die Wohlfahrtspflege gelte, „die Ärmel hochzukrempeln“ und gemeinsam nach Wegen zu suchen, auch selbst Wohnraum für ihre Zielgruppen zu erstellen.

Ministerialrat Dr. Eckart Meyberg, Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg, stellte die Arbeit der Wohnraum-Allianz im Land sowie die Möglichkeiten der Landeswohnraumförderung für die Träger der Wohnungsnotfallhilfe dar. Er unterstrich, dass gerade die Akteure gestärkt werden, die angesichts der angespannten Wohnungsmärkte und den damit verbundenen Herausforderungen nicht die Gewinnmaximierung, sondern die langfristige Schaffung und Erschließung von Wohnraum für Haushalte mit besonderen Schwierigkeiten am Wohnungsmarkt im Fokus haben. Gleichzeitig wurde deutlich, dass diese soziale Rendite keinesfalls im Gegensatz zu wirtschaftlicher Absicherung der Projekte und einer rentablen Vermietung stehen muss.

Alexander Pazerat, Leiter der Abteilung Wohnungswesen der Landeshauptstadt Stuttgart, wies einerseits auf die Bedeutung einer verantwortungsvollen Flächenpolitik und andererseits auf die zentrale Bedeutung der verfügbaren Grundstücke für den sozialen Wohnungsbau hin. Hier konnten die beiden Best Practice Beispiele der Ambulanten Hilfe Stuttgart e.V. als auch der Zusammenarbeit zwischen Caritas Gemeinschaftsstiftung und Caritasverband Rottenburg-Stuttgart für Stuttgart nur beipflichten. Beide Träger sind seit einigen Jahren im Wohnungsbau für Menschen in besonderen sozialen Schwierigkeiten und dem Immobilienmanagement aktiv. Eine gute Zusammenarbeit mit der Stadt sei grundsätzlich notwendige Vorrausetzung.

 Aus der Praxis waren auch kritischen Töne zur Ausgestaltung der Landeswohnbauförderung zu hören. Insbesondere die Deckelung der Förderung auf 3.000 Euro pro gebautem Quadratmeter stelle angesichts steigender Baukosten und einer Überlastung der Baubranche ein entscheidendes Hindernis dar.

Veranstalter und Teilnehmende waren sich einig: Die Problemlagen sind lange bekannt, die Rahmenbedingungen für ein gestärktes Engagement der Träger im Wohnungsbau gut ausgestaltet und erste Ansätze zur praktischen Umsetzung identifiziert. Der Fachtag soll Auftakt sein für einen Einstieg in Schaffung und Erschließung von Sozialwohnungen durch die Träger der Wohnungsnotfallhilfe.