03.07.2017

Schuldnerberatung in Haft

Das Projekt „Schuldenberatung in Haft“ startete am 01.07.2017.  Das Netzwerks Straffälligenhilfe Baden-Württemberg GbR hat für das Projekt konkrete Beratungsstandards im Rahmen eines ganzheitlichen und flächendeckenden Resozialisierungskonzepts entwickelt. Damit wird für ganz Baden-Württemberg eine Vereinheitlichung und Professionalisierung der Beratungsarbeit von überschuldeten, inhaftierten Menschen sichergestellt.

Die operative Umsetzung des Angebotes in Justizvollzugsanstalten startet mit unseren Mitgliedsvereinen, die bereits über Mitarbeiter/Innen mit entsprechender Qualifikation verfügen. Mitarbeiter/Innen  weiterer Vereine werden im Rahmen des Projektes geschult und sollen ab Anfang 2018 die flächendeckende Umsetzung sicherstellen. Weiter Informationen (insbesondere Ansprechpartner und Zuständigkeiten) finden Sie hier: http://nwsh-bw.de/content/schuldenberatung-haft

Inhaftierte Menschen sind weit überdurchschnittlich überschuldet. Häufig sind Schulden schon vor der Straftat vorhanden und nicht selten ein/der Auslöser für kriminelles Verhalten. Außerdem entstehen auf Grund von begangenen Straftaten vielfach neue Geldforderungen in Form von Schadensersatz- und Schmerzensgeldforderungen sowie Gerichtskosten, Geldstrafen/-auflagen, Verfall des Wertersatzes, Anwaltshonoraren (70% der Betroffenen sind mit Forderungen aus Straftaten konfrontiert). Die gemeinsam mit den Klienten im Kontext Strafvollzug und im Hinblick auf die Resozialisierung und Prävention zur Vermeidung neuer Straftaten entwickelten Sanierungsstrategien sollen einerseits die Interessen der Schuldner und der Gesellschaft an einer gelingenden Wiedereingliederung und andererseits die Interessen der Gläubiger, insbesondere der Opfer von Straftaten, berücksichtigen. Zumindest gilt es, einen ungebremsten Schuldenanstieg während der Haftzeit zu stoppen (z.B. durch Anpassung der Unterhaltsverpflichtungen, durch die Aufhebung/Beendigung von Dauerschuldverhältnissen wie Sportstudio, Telekommunikation usw. sowie durch ein Vermeiden unsinniger Inkasso- und Beitreibungskosten). Damit sollten sich Rückfälle aus Gründen einer Überschuldung in vielen Fällen vermeiden lassen und die Chancen auf eine berufliche Wiedereingliederung verbessern.

Kontakt:

Oliver Kaiser

Leitung

Bereich Krisenintervention und Existenzsicherung

Fon 0711 2155 126

Mail O.Kaiser@paritaet-bw.de