3.1 SOZIALPARTNERSCHAFTEN UND ENGAGEMENT - GUTE BEISPIELE DES MITEINANDERS UND FÜREINANDER

Im Fokus des Projektes steht, die Projektteilnehmenden zu wechselseitigem Miteinander, Unterstützung und Begleitung zu motivieren und anzuleiten. Projektmitarbeiter/innen und ehrenamtlich Engagierte helfen dabei, passende Kontakte zwischen den Projektpartnern zu vermitteln und bei Bedarf hilfestellend zu koordinieren oder Impulse zu geben. Aus den wachsenden vertrauensvollen Kontakten heraus entstehen erste Sozialpartnerschaften, die wechselseitige Unterstützung leisten. So engagieren sich die Neue-Wege-Pioniere auch mit und für einander.
Am Schönsten ist dabei: Alle – egal ob mit oder ohne Behinderung - verbindet das Bedürfnis, gemeinsam mit anderen Menschen etwas Sinnvolles zu tun. Auch Menschen mit Behinderung sind nicht nur hilfebedürftig, sondern sie können und möchten sich selbst sinnhaft betätigen und aktiv einbringen. So lösen sich die Rollenzuschreibungen wie von selbst auf: Jede und jeder kann etwas geben und nehmen! Sowohl ältere Menschen mit Behinderung als auch ehrenamtliche Unterstützer haben verschiedene Engagements übernommen. So gibt es ehrenamtliche Sozialpaten für Besuchs- und Betreuungsdienste, Stammtisch-Paten, Koch-Treff–Paten, Geburtstags-Patin, Kulturpaten, Sozialberatungs-Paten, Paten für Verkehrs- und Mobilitätstraining, Mobilitätsbegleitung und Fahrservice. Es gibt also ganz unterschiedliche Möglichkeiten, sich zu betätigen: Manche leisten gerne personenbezogene Betreuungsdienste für Menschen, die alleine sind oder Hilfen brauchen. Andere übernehmen lieber bestimmte Schwerpunktaufgaben für die Gruppe.

Besuchs- und Betreuungsdienste - für andere da sein:

Georg Metzenrat (61 Jahre), ist selbst gesundheitlich beeinträchtigt und arbeitet in der Werkstatt der Lebenshilfe. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, anderen zu helfen und damit auch sein eigenes Leben zu bereichern. Er möchte dabei auch seine Kompetenzen einbringen, die er in einer früheren begonnenen Ausbildung als Pfleger erworben hatte.
Im Rahmen des Projektes hat er nun schon mehrere regelmäßige Besuchsdienste für Ältere Menschen mit Behinderung aus unserer Projektgruppe übernommen: für einen älteren gehbehinderten Mann, für eine mobilitätseingeschränkte ältere Dame, für eine demenzkranke Frau in seinem Stadtteil. Georg Metzenrat kümmert sich nicht nur um einzelne Personen, sondern er versteht sich durchaus als Multiplikator im Projekt, der das Ganze im Blick hat und die Idee der Sozialpartnerschaften im Schneeballsystem zu verbreiten hilft.
Von Seiten der Lebenshilfe hat er für seine Besuchs- und Betreuungsdienste ein Zeitkontingent für einen Außenarbeitsplatz erhalten. Sein Engagement bereichert sein eigenes Leben und sein persönliches Wohlbefinden ganz außerordentlich, wie er selbst sagt: „Es tut mir einfach gut!“. Dies stellen auch die Menschen in seinem Umfeld staunend fest.
Die Betreuungsaufgaben teilt er sich mit einem Freund. Beide sind als Kontaktpersonen und Freizeitbegleiter viel unterwegs und stets einsatzbereit: sie bieten Besuche gegen die Einsamkeit, Freizeitbegleitung, Hilfestellungen unterschiedlicher Art, z.B. auch Unterstützung beim Straßenbahnfahren für Mobilitätseingeschränkte. Und Ursula Roth, die in den Genuss dieser Besuche kommt, stellt fest: „So ist eine richtig nette Freundschaft entstanden! Als Dankeschön lade ich meine Helfer gerne immer wieder mal zum Essen ein!“
(Siehe hierzu auch Veröffentlichung in Parität Inform, Dez 2012, S.12).

Die Stammtisch-Patenschaft

Franz Demmelmaier wünschte sich – nicht zuletzt in Vorbereitung auf seinen eigenen nahenden Ruhestand - einen regelmäßigen Neue-Wege- Stammtisch … Gesagt – getan: und schon wurde er als Stammtisch-Beauftragter angeheuert, der einmal im Monat im Stammtischlokal Café Q-Muh die fröhlichen Stammtischgäste in Empfang nahm.
Mittlerweile ist der Stammtisch fast schon zum Selbstläufer geworden – und Franz Demmelmaier selbst ist weiter gern gesehener Gast. Treue Stammtischbesucher wie Gottfried Baumann und Wilfried Mentel achten darauf, dass immer ein Stammtisch-Pate anwesend ist: Wer auch immer zu den Stammtisch-Terminen kommt: es ist immer jemand da!
Ein besonderes Lob geht an das das Cafe Q-Muh-Service-Team, die die älteren Stammtischgäste mit und ohne Rollstühle, Rollatoren, oder Gehilfen jeder Art – unter all den eher jüngeren Gästen - immer so freundlich in Empfang nehmen und bewirten!


Das Sonntags-Koch-Team bringt Leben und Sinnesfreuden ins Wochenende

Wilfried und Erika Mentel, bringen sich als Ehrenamtliche beim Sonntagmittag-Koch-Treff ein: Sie planen und organisieren in Abstimmung mit der Neue-Wege-Gruppe das Menü. Unterstützt von Küchenfee Liane Gütinger und von Rechtsanwalt Lothar Klatt – der als Slow-food-Engagierter – sofort Feuer gefangen hatte, werden die vielen fleißigen Mithelfer/innen bei den Vorbereitungsarbeiten angeleitet. „Für viele ältere Menschen, die nicht mehr gut aus dem Haus kommen und einsam sind, verlaufen gerade die Wochenenden oft ziemlich traurig und leer. Deshalb ist es schön, immer wieder einmal einen Sonntag mit Leben und kulinarischen Sinnesfreuden zu bereichern. Das tun wir gerne, denn wir haben Glück gehabt in unserem Leben – es geht uns gut. Davon möchten wir etwas an Menschen zurückgeben, denen dies Freude bringt“ (Erika und Wilfried Mentel).

Kultur bringt Vielfalt und verbindet

Kunst und Kultur lassen unterschiedliche Sichtweisen und Perspektiven zu – und verbinden mit Mitmenschen, Gesellschaft und Welt, mit Zeit und Raum. Deshalb macht es Angelika Glaschick besondere Freude, sich in Sachen Kultur zu engagieren.
Angelika Glaschick unterstützt als ehrenamtliche Kulturbeauftragte die kulturellen Aktivitäten der Projektteilnehmer/innen. Sie organisiert und begleitet verschiedene Kulturaktionen. Außerdem ist sie für die Projektteilnehmenden als Vermittlerin der Angebote der Kulturloge engagiert. So können auch Menschen mit schmalem, Geldbeutel Kulturangebote wahrnehmen. Kulturelle Teilhabe ist ein wichtiges Bindeglied, um mitten im Leben seinen Platz einzunehmen!

Stricken lernen – ist praktisch und macht Spaß!

Stricken ist wieder aktuell: Frau strickt wieder – und manchmal sogar Männer! Doch plötzlich kommt man nicht mehr weiter – denn man weiß nicht mehr, wie die Ferse gestrickt wird oder der Ärmelansatz. Was tun? Beate Stippl-Frölich strickt leidenschaftlich gern – und möchte daran auch andere teilhaben lassen. So bietet sie Strickberatung an und bei Interesse gerne auch gemeinsame Stricktreffs. Hier kann man sich beraten und helfen lassen. Außerdem macht gemeinsames Stricken einfach Spaß und man kommt ganz nebenbei locker ins Gespräch. Kontakt zu Beate Stippl-Frölich dürfen alle Interessierten aufnehmen: Tel. 0731 /7084027 / Mobil 0176-83029511 / e-mail: beate_stippl-froelich@gmx.de

 

Sozialrechtliche Fragen – Hilfen im bürokratischen Alltagsdschungel

Gottfried Baumann ist ein berufserfahrener sozialpädagogischer „Fuchs“, der fundierte Kenntnisse in vielerlei Schnittstellenübergreifenden sozialrechtlichen Fragen mitbringt. Diese Kenntnisse bringt er auch mit Leidenschaft und Beharrlichkeit jetzt als Ehrenamtlicher für die Projekt-Teilnehmer/innen ein. Denn für die älteren Menschen mit und ohne Behinderung stellen sich viele Fragen zu sozialrechtlichen und leistungsrechtlichen Anforderungen: Pflegestufe, Erwerbsunfähigkeit, Arbeitslosigkeit, Ausstattung mit Hilfsmitteln, Persönliches Budget und vieles andere mehr. „Die existenziellen Grundlagen müssen stimmen“ – dies gehört genauso zum Projekt“, dies ist Gottfried Baumanns Devise. (Darüber hinaus freut er sich an der Vielfalt des menschlichen Miteinanders – das er auch immer wieder gerne musikalisch mit seinem alten Akkordeon begleitet…).
Er sowie auch die anderen ehrenamtlichen und professionellen Projektpartner bringen sich mit ihren sozialpädagogischen und sozialrechtlichen Kompetenzen beratend für die Teilnehmer/innen ein: Der Ehrenamtliche Wilfried Mentel bringt Kompetenzen als ehemaliger Arbeitsvermittler für Schwerbehinderte der Agentur für Arbeit mit ein, Ingrid Seybold als Persönliche-Budget-.Beraterin der Lebenshilfe Donau-Iller, Lothar Klatt als Rechtsanwalt, Georg Sihler durch seine Verbindungen als Vorsitzender des Sozialverbandes VdK. Nicht zuletzt geben sich die Teilnehmer/innen des Projektes auch aus eigener Erfahrung wechselseitige Unterstützung und Rat in vielerlei alltäglichen Fragen.
Durch die vielfältigen persönlichen Kontakte, die sich aus dem Projekt für die Neue-Wege-Teilnehmer/innen ergeben, können die Teilnehmer/innen auf vielfältige Kompetenzen, Kenntnisse und Erfahrungen zugreifen und finden Unterstützung, um alltägliche und existenzielle Fragen zu regeln. Dabei wurde schon vieles erreicht: eine Pflegestufe, die Erwerbsunfähigkeitsrente oder ein neuer E-Rolli – u.a.m.!


Die Geburtstagsbeauftragte gratuliert … und koordiniert den ehrenamtlichen Fahrservice

Die Neue-Wege-Gruppe hat ein ganz besonderes Schmankerl zu bieten: Die Geburtstagsbeauftragte Annegret Schulz gratuliert allen Projektteilnehmenden, die ihr Geburtstagsdatum verraten möchten, zum Geburtstag – und bringt damit Freude ins Leben! Das herzliche Dankeschön, das sie von allen Seiten zurückbekommt - spiegelt positiv in ihr eigenes Leben zurück. „Es ist wunderbar gebraucht zu werden – und zu zeigen, dass man sich trotz eigener Behinderung engagieren und einbringen – und damit etwas Sinnvolles für sich selbst wie auch für andere tun kann!“, so bringt es Annegret Schulz auf den Punkt.
Deshalb hat sie mit Begeisterung noch weitere Aufgaben übernommen: Sie koordiniert in Zusammenarbeit mit der Projektleiterin und dem ehrenamtlichen Fahrer den Fahrservice für die Projektteilnehmer, die eigenständig nicht aus dem Haus kommen. So kann sie an ihre alten Leidenschaften anknüpfen, die sie früher schon in ihrem Beruf liebte: morgens den Terminkalender aufschlagen und gewissenhaft abarbeiten, was auf dem Tagesprogramm steht.

Ehrenamtlicher Fahrservice – macht Teilhabe möglich

Am gesellschaftlichen Leben teilhaben können – das geht für mobilitätseingeschränkte Menschen mitunter nur mit unterstützendem Fahrservice – wenn z.B. die öffentlichen Verkehrsmittel eigenständig im steilen Gelände nicht erreichbar sind und wenn man sich das teure Taxi nicht leisten kann.
Elke Riedl und weitere Ehrenamtliche machen es möglich: Als Ehrenamtliche bieten sie im Rahmen des Projektes für mobilitätseingeschränkte Projektteilnehmer/innen, die eigenständig nicht anreisen können, Fahrservice an. Besonders schön ist dabei: die Kontakte, die bei den gemeinsamen Fahrten entstehen, gehen weit über den Fahrservice hinaus. Man kommt ins Gespräch, lernt sich kennen, macht Witze und es gibt so manches zu lachen. Nicht selten ist die Fahrt schon das besondere Erlebnis, das kaum mehr zu toppen ist. Die Geschichten, die die Beteiligten davon zu erzählen haben, bringen zum Lachen.
Neben dem Fahrservice aber gilt: lernen, sich so gut wie möglich eigenständige Bewegungsspielräume zu erschließen. Hierzu hilft mitunter einfach ein verlässlicher Begleiter oder eine Begleiterin an meiner Seite – wie Gisela Stummer oder Georg Metzenrat es immer wieder gerne anbieten. Und hierzu hilft auch das Verkehrs- und Mobilitätstraining, das Erwin Rotter ehrenamtlich anbietet.
Ein herzliches Dankeschön auch an die Paritätischen Sozialdienste und die Firma Häussler, die für den Fahrservice das Auto aus ihrer Flotte zur Verfügung stellen!


Mobilitäts- und Verkehrstraining – Bewegungsspielräume gewinnen

Erwin Rotter war schon in seinem Berufsleben bei der Polizei für Prävention und Verkehrs-sicherheit zuständig. Er hatte immer mit jungen und älteren Menschen und speziell auch mit Menschen mit Behinderung zu tun. Die vielfältigen menschlichen Kontakte und Erfahrungen die er dabei machen konnte, begeistern ihn bis heute. Deshalb hat er gleich als er über die Presse von dem Projekt „Gemeinsam eigene Wege gehen“ erfuhr, Feuer gefangen: Als Ehrenamtlicher bietet er an, mit den älteren Menschen mit und ohne Behinderung Mobilitäts- und Verkehrstraining durchzuführen. Dies wird dankbar angenommen - bietet es doch Sicherheit, sich im öffentlichen Leben eigenständig bewegen zu können! Er begleitet auf Anfrage Menschen auf ihren alltäglichen Wegen, um Verkehrssicherheit im Alltag einzuüben. Im Verkehrsdepot der Ulmer Verkehrsbetriebe SWU wird Erwin Rotter nun außerhalb des öffentlichen Verkehrsbetriebes einen Termin für eine gemeinsame „Trockenübung“ für die Neue-Wege-Gruppe vereinbaren. Für Erwin Rotter ist dies nun eines seiner persönlichen Engagements im Ruhestand – neben vielen anderen Leidenschaften und Freuden, die dieser Lebensabschnitt für ihn bereithält.